Der Arbeitsgemeinschaft Umformtechnik (AGU), gegründet 1974, gehören die Inhaber/-innen von deutschen umformtechnischen Lehrstühlen bzw. Instituten diverser Universitäten und Technischer Hochschulen an. Sie versteht sich als wissenschaftliche Repräsentantin ihres zur Fertigungstechnik gehörenden Fachgebietes für die Bundesrepublik Deutschland und ist mit der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Produktionstechnik e.V. (WGP) durch Doppelmitgliedschaften eng verbunden.


Die Umformtechnik an Universitäten und Forschungsinstituten

Im Jahre 1974 zeigte sich in Westdeutschland folgende Situation der universitären Lehre und Forschung in der Umformtechnik: Neben den Lehrstühlen in Aachen und Clausthal, die vorwiegend auf die erste Verarbeitungsstufe bei Eisen- und Stahlprodukten ausgerichtet waren, bestanden Lehrstühle seit 1954 in Hannover, seit 1958 in Stuttgart, seit 1968 in München und seit 1971 in Dortmund für die zweite Verarbeitungsstufe. Weiter war die Umformtechnik mit Schwerpunkt auf den Verfahren der ersten Verarbeitungsstufe seit 1917 am Max-Planck-Institut für Eisenforschung in Düsseldorf vertreten. In Aachen hatte Prof. Reiner Kopp am 01.03.1974 in der Nachfolge von Prof. Vater und in Hannover Prof. Eckart Doege am 01.04.1974 in der Nachfolge von Prof. Bühler die Lehrstühle für Bildsame Formgebung bzw. Umformtechnik (später „Umformtechnik und Umformmaschinen“) übernommen. Erwartet wurde die Wiederbesetzung in Berlin und die Erstbesetzung eines Lehrstuhls in Darmstadt. Zu rechnen war danach in naher Zukunft mit einer Gesamtzahl von acht umformtechnischen Lehrstühlen an Universitäten und Technischen Hochschulen. In diesem Zusammenhang wurden in mehreren Gesprächen zwischen Lehrstuhlinhabern Überlegungen über eine künftige engere Kooperation ihrer Lehrstühle auch hinsichtlich eines sinnvollen Einsatzes der meist aus öffentlichen Quellen stammenden Forschungsmittel angestellt. Eine mögliche Abgrenzung der verschiedenen Arbeitsgebiete und die notwendige Absicherung der wissenschaftlichen Ergebnisse waren ebenfalls in die Diskussion miteinbezogen. Bezüglich des Max-Planck-Instituts in Düsseldorf herrschte die allgemeine Meinung, dass dessen Abteilung Umformtechnik auch wegen der engen personellen Verbindung mit der RWTH Aachen und der TU Clausthal von Anfang an in die geplante Kooperation einbezogen werden sollte.

 

Die Hochschulgruppe Fertigungstechnik

Seit 1937 bestand die Hochschulgruppe Fertigungstechnik (HGF) – 1987 in „Wissenschaftliche Gesellschaft für Produktionstechnik e.V.“ (WGP) umgegründet – als Vereinigung der Inhaber von fertigungstechnischen Lehrstühlen an deutschen Technischen Hochschulen und Universitäten. Sie arbeitete eng mit dem Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e.V. (VDW) zusammen und war überwiegend auf die Zerspanungstechnik ausgerichtet. Im Zeitraum 1973/1974 gehörten ihr mehr als ein Dutzend Lehrstuhlinhaber an. Die Professoren der umformenden Fertigungstechnik war deutlich unterrepräsentiert, eine schlagartige Erweiterung mit den anderen der Umformtechnik zugehörigen Professoren war jedoch nicht vorgesehen. Dies bewirkte schließlich den Entschluss, die wissenschaftlichen Belange der Umformtechnik in einer eigenständigen Gruppe nach innen und außen, z. B. den forschungsfördernden Institutionen gegenüber, zu vertreten. Die Verbindung zwischen beiden Gruppen, der HGF und der späteren AGU, sollte durch Doppelmitgliedschaften, zunächst seitens der Professoren v. Finckenstein und Lange, später seitens der Professoren Doege und Schmoeckel sichergestellt werden. Der wachsenden technischen und wirtschaftlichen Bedeutung der Umformtechnik sollte seitens der Wissenschaft dadurch verstärkt Nachdruck verliehen werden.

 

In dieser in gedrängter Form dargestellten aktuellen Situation der Umformtechnik im Zeitraum 1973/1974 und unter Berücksichtigung der zu erwartenden Entwicklungen erfolgte die Gründung der ‚Arbeitsgemeinschaft Umformtechnik – AGU‘ am 01. November 1974 in Stuttgart. In den folgenden Jahren erweiterte sich die AGU stetig bezüglich der Mitgliederzahl. Nach der Wiedervereinigung der beiden Teile der Bundesrepublik Deutschland wurden auch die Professoren der ostdeutschen Institute aufgenommen. Im Jahre 1999, dem Zeitpunkt des 25-jährigen Bestehens, gehörten der AGU 20 Mitglieder aus 16 Standorten an, davon vier aus den neuen Bundesländern.